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tätowiererin

Melina Wendlandt, Gründerin der VADERS.DYE  Studios in Hamburg, Berlin und L.A., ist DIE 'Queen of fine lines' und Minimalismus (wir müssen's ja wissen - schließlich haben wir ihre Home Tour im Architectural Digest gesehen). Was inspiriert diesen langjährigen Missoma Fan? Und wie haben sie und ihr Team es geschafft, die Tattooszene zu revolutionieren.

Missoma: Wie bist Du zum Tätowieren gekommen?

Melina Wendlandt: Melina Wendlandt: Vor meinem Kommunikationsdesign Studium an der Uni habe ich Au Pair in Kanada gemacht. Dort habe ich zum ersten Mal die Fernsehshow L.A. Ink geschaut. Ich war so fasziniert von Kat Von D. Vor 12 Jahren war es total neu für mich, ein Mädchen beim Tätowieren zu sehen. Sie hat mich wirklich inspiriert. Ich war ein großer Fan. Vor allem von ihrem pinken Studio mit den Skateboards an der Wand. Zurück in Deutschland, begann ich zu studieren, konnte aber das Tätowieren nicht mehr aus meinem Kopf kriegen.

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Da war ich 18 Jahre alt und hatte selbst schon Tattoos. Ich hab die ganze Zeit gezeichnet und beschlossen, nebenbei das Tätowieren zu lernen. Jeden Tag ging ich nach dem Studium ins Studio. Als ich mit der Uni fertig war, wollte ich in Vollzeit tätowieren. Nachdem ich zu Hause viel geübt und meine Mappe vorbereitet hatte, begann ich in einem Tattoo Studio in Hamburg zu arbeiten.

M: Beschreibe uns Deinen kreativen Prozess. Wer inspiriert Dich und Deine Arbeit?

MW: Am Anfang war ich noch sehr von anderen Künstlern inspiriert. Besonders geliebt habe ich die Fotos nach einer ersten Sitzung, die nur die Umrisse, also die Outlines, zeigten. Wunderschön. Als ich meine Idee entwickelte und damit begann, meine eigenen feinen Linien und Outlines zu machen, sagten meine Kollegen nur, dass es keine echten Tattoos seien und so “unfertig” aussehen würden. Heutzutage sind Tattoos mit feinen Linien sehr beliebt.

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Auch meine Kunden inspirieren mich, wenn sie mit ihren Ideen zu mir kommen. Mein “Signature” Löwen Tattoo stammt bspw. von einer Kundin. Sie sagte mir damals, sie habe meine Line Work Tattoos gesehen und wollte unbedingt einen Löwen in diesem Stil haben. Vor allem weil Löwen sonst eher realistisch, düster und überhaupt nicht feminin aussehen. Ich dachte “Klar, warum nicht. Probieren wir’s aus”. Mein Löwe ist damals vor sechs Jahren viral gegangen - weil es das erste Mal war, dass etwas völlig anders aussah als das, was alle anderen machten.

Meine anderen Inspirationsquellen sind Interior Design und Architektur. Ich mag Licht und Minimalismus. Als wir unsere VADERS.DYE Studios eröffnet haben, wollte ich etwas ganz Neues kreieren. Ich konnte keinen einzigen schönen Tattoo Laden finden, als ich meinen alten Job kündigte. Also beschloss ich, im Hamburger Stadtzentrum einen eigenen Laden aufzumachen (wo es die wenigsten Leute machen würden, da es direkt in der Einkaufsmeile liegt). Es war wunderbar! Alle Frauen, die ich dort tätowiert habe - junge Mädels und Mommies - haben sich super wohl gefühlt, weil es so zentral war. Ich versuche immer, mein eigenes Ding zu machen - und eben anders.

M: Was glaubst Du, warum ist Kreativität so wichtig?

MW: Ich glaube, jeder hat eine gewisse Kreativität in sich. Es ist so wichtig, diese freizusetzen, denn sie ist ja auch Teil unserer Persönlichkeit. Ich bin gerne kreativ, indem ich Tattoos zeichne oder sogar wenn ich meine Wohnung umräume. Kreativität kann allerdings genauso gut kochen sein, oder meinem Freund zuhören, wenn er mir von seinen neuen Business Ideen erzählt.

M: Wie erzeugst Du eine Atmosphäre der Kreativität? Arbeitest Du mit anderen Künstler*innen oder Bereichen zusammen? Erzähl uns mehr über VADERS.DYE.

MW: Jedes Mal, wenn neue Künstler*innen in mein Team kommen, sorge ich dafür, dass sie zu uns passen. Für mich geht Charakter vor Talent, weil er dazu beiträgt, eine positive Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

Im Hamburger Studio arbeiten zur Zeit nur Mädels - was eigentlich ein Versehen war. Aber es fühlt sich so inspirierend an, weil sich alle gegenseitig hochziehen. Ich liebe das. Auch hier wachsen alle so schnell über sich hinaus, weil es die entspannte Arbeitsatmosphäre zulässt. Als wir den Laden in Berlin eröffnet haben, hatten wir einen Mitarbeiter, der drei Jahre lang daheim und nur für sich tätowiert hat. Ich habe sein Potenzial erkannt und wusste, wenn er das richtige Umfeld um sich hätte, würde er sich enorm entwickeln können. Nach nur einem Jahr bei uns wurde er extrem gut….Er ist super beliebt geworden und seine Arbeit ist total krass.

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Es sind immer die Menschen, die uns umgeben. Frag andere Künstler*innen: Was machst Du? Wie macht man dünnere Linien? Es ist unglaublich zu sehen, wie sich Menschen in einer positiven Atmosphäre entwickeln können.

Ein anderer Punkt ist die Tatsache, dass sich viele junge Frauen bei uns sicher fühlen, weil hier nur Mädels arbeiten. Vor kurzem habe ich sogar Hailey Bieber tätowiert. Sie hat ein sehr intimes Tattoo (Stelle und Bedeutung) gewählt und war so glücklich, dass es endlich eine Frau gibt, die sie in Los Angeles tätowieren konnte.

M: Du hast Deine Studios in Hamburg, Berlin und Los Angeles. Wie wirken sich diese unterschiedlichen Städte und Kulturen auf Deine Arbeit aus?

MW: Berlin war das zweite Studio nach Hamburg. Wir wollten herausfinden, ob wir mit verschiedenen Studios umgehen können. Wobei für uns immer feststand, dass wir nach Amerika wollen. Zuerst dachten wir an New York, aber letztendlich haben wir uns doch für L.A. als unseren “happy place” entschieden - vor allem im Winter ist das ein großer Vorteil! Zum Glück hat direkt alles super schnell und perfekt funktioniert.

In L.A. musste ich bei Null anfangen. Wenn ich in Deutschland meine Zeichnungen meinen Kunde zeige, werden normalerweise 90% von ihnen sagen “Ich liebe es”. Sie respektieren meine Kunst - und genau das wünsche ich mir. In L.A. ist das anders, weil sie mich nicht kennen. Manchmal kommen sie mit Ideen, die ich einfach grundsätzlich nicht mache, wie z.B. Schattierungen oder Farbe.

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Meiner Meinung nach merkt man, dass all unsere Studios diesen gewissen VADERS.DYE Style haben. Wir haben immer versucht, diesen Vibe und die Qualität aus unseren deutschen Tattoo Studios mit nach L.A. zu nehmen.

Es ist schon komisch. New York ist in der Tattoo Welt total uptodate und L.A. ist super old school. Es gibt gerade mal eine Hand voll moderner Tattoo-Künstler*innen, aber die arbeiten eher in ihren eigenen privaten Studios. Damals gab es eigentlich keine modernen Läden, die sich auf Fineline Tattoos konzentriert haben oder Gastkünstler aus aller Welt hosteten. VADERS.DYE war in L.A. also ziemlich neu und viele Menschen fanden es toll, ein gänzlich neues Konzept dort vorzufinden. Es macht Spaß, ein wenig “German Vibe” miteinfließen zu lassen.

M: Welche Musik hörst Du beim Arbeiten? Hast Du einen aktuellen Lieblingssong oder Intrepreten?

MW: Wenn man ein Studio mit verschiedenen Tätowierern hat, will normalerweise jeder was anderes hören. In unseren Studios hören wir viel House-, Elektro- und Chill-Out-Musik, denn das hört jeder gerne beim Tätowieren.

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Ich persönlich höre sehr gerne Travis Scott und Drake. Ich liebe es, wirklich Spaß bei der Arbeit zu haben und laut Musik zu hören. Es gibt mir die nötige Energie, die ich brauche. Meine längste Tattoo Session im sitzen dauerte drei Stunden. Länger schaff ich nicht. Meine Kolleg*innen schaffen da schon mal einen ganzen Tag sitzend zu tätowieren.

M: Sowohl Tattoos als auch Schmuck sind bedeutungsvolle Dinge, die wir Tag für Tag am Körper tragen. Kommt das oft zur Sprache, wenn Deine Kunden mit ihren Entwürfen zu Dir kommen?

MW: Ich habe immer gesagt, meine Designs sind wie Schmuck für die Haut. Ich hatte viele Kunden, die ihren wertvollen Schmuck zu ihrem Termin mitgebracht haben und nach abstrakten Versionen davon als Tattoo fragten. Das ist so wunderschön! Es ist wie, wenn es ihre Großmutter ihnen geschenkt hätte.

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Meine ersten Tattoos hatten für mich eine große Bedeutung. Das ist meiner Meinung nach auch wichtig, wenn man damit anfängt. Ich habe ein Tattoo für meinen verstorbenen Hund. Und das Wort “Liebe”. Mein Freund hat es mir zum Geburtstag gestochen. Er ist definitiv kein Tätowierer.

Nach einer gewissen Zeit habe ich angefangen, meine Tattoos als Schmuck anzusehen. Ich habe etwas Inspirierendes oder Schönes gesehen und dachte wow, sowas will ich auch.

In New York gab es (lustigerweise) diesen einen Künstler, dessen Arbeit ich total gut fand. Er sagte, er würde mir ein Tattoo stechen aber ich wusste nicht was. Ich hatte an dem Tag einen Handschuh an mit einem Alligator drauf. Der war ziemlich cool. Also tätowierte er mir ihn!

M: So, Berlin, Hamburg, LA…the world? What’s happening next for VADERS.DYE?

MW: Auf jeden Fall kein neues Studio! Wir eröffnen eventuell noch ein paar Pop Up Tattoo Studios in weiteren Ländern, aber ich möchte mich eher auf meine eigene Hautpflegemarke und andere Projekte, neben dem Tätowieren, konzentrieren. Außerdem wollte ich schon immer mal eine Kooperation im Schmuckbereich umsetzen.

M: Was würdest Du jemandem empfehlen, der/die seine/ihre kreative Ader erkunden möchte aber nicht genau weiß, wie man beginnen sollte?

MW: Viele Leute fragen mich, wie sie mit Tätowieren oder Zeichnen anfangen sollten. Ich sage dann immer: “just go for it.” Mach’s einfach. Meine Schwester fragte mich mal, ob ihr das Tätowieren zeigen könne, nachdem sie schon ein paar Jahre in meinem Laden als Managerin arbeitete.

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Letztes Jahr hab ich ihr das iPad Pro meines Freundes gegeben und gesagt “Mal sehen ob Du zeichnen kannst”. Ich hab ihr zwar ein paar Tipps gegeben, aber da sie schon so lange in einem Tätowierladen gearbeitet hatte, wusste sie genau was zu tun war. Sie zeichnete immer mehr und wurde besser und besser - jetzt wird sie auch Tätowiererin. Just go for it! Versuch es selbst und lass Dich von anderen Menschen inspirieren.

melina’s auswahl

Messerscharfe Designs für diese 'Queen of fine lines', deren Schmuck und Tätowierungen miteinander verschmelzen.

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